Coronavirus

For translation option into any language please scroll down

Für alle, die gerne wissen möchten, welche Erfahrungen wir auf unserer Reise mit dieser lästigen Pandemie machen und wie es uns bisher damit geht, haben wir uns entschlossen, diese Seite einzurichten. Wir wollen sie einigermaßen aktuell halten – zumindest, wenn es etwas zu berichten gibt.

24. Dezember 2020

Vor genau einem Jahr feierten wir Weihnachten in der Wüste Kalut im Iran.

Dieses Jahr sitzen wir nun coronabedingt wieder zuhause und feiern hier Weihnachten. Wann die Reise fortgesetzt werden kann, steht momentan noch in den Sternen, da sich ja nicht nur in Europa, sondern weltweit die Situation wieder normalisieren muss, damit die Grenzen wieder offen sind und die Menschen nicht in Panik verfallen, wenn sie Europäern begegnen, wie es ja in Indien der Fall war.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Weihnachtsfest 2020 und ein glückliches – und vor allem gesundes – Neues Jahr 2021!

Meldet Euch bei uns, schreibt uns – wir freuen uns darüber!

Hier noch ein musikalischer Weihnachtsgruß, den wir am 23.12.2020 in unserem One. World. Wing.-Anhänger aufgenommen haben:

O HOLY NIGHT

30. September 2020

Mithilfe einiger hilfreichen ‚Geister‘ konnten wir von zuhause aus die Verschiffung unseres Fahrzeugs von Mumbai nach Livorno in Italien organisieren. Da wir nicht nach Mumbai reisen konnten, um das Gespann in einen Container zu packen, musste es per ‚RORO‘ (roll on – roll off) im Schiffsbauch verschickt werden, was aber leider ziemlich teuer war.
Vor ein paar Tagen konnten wir nun unser mobiles Heim in Livorno abholen. Außer eines mysteriös durchgeschnittenen Kabels im Motorraum – das aber fürs Fahren keine wesentliche Rolle spielte – und einer korrodierten Lichtmaschine, die wir noch in Livorno austauschen lassen mussten, war das Fahrzeug nach der knapp dreimonatigen Tour wohlbehalten angekommen. Allerdings gab es vor dem verschiffen am Hafen von Mumbai noch einen kleinen, aber für uns lästigen Zwischenfall: Die dortigen Hafenarbeiter wollten aus unseren Reservekanistern noch Diesel in das Auto füllen, da auf dem Schiff keine Brennstoffe in Kanistern transportiert werden sollen. Dabei verwechselten sie jedoch blöderweise den Dieseltank mit dem Frischwassertank… Der konnte aber wieder gereinigt werden.

16. April 2020

Wir haben uns zuhause wieder eingelebt und frönen unserer häuslichen Zweisamkeit. Unser Gefährt bleibt bis auf Weiteres in Mumbai. Im Sommer werden wir weiter sehen…

Nochmal vielen Dank für die vielen guten und aufmunternden Wünsche, die uns aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz, der Türkei, dem Iran, Pakistan und Indien erreicht haben. Es fühlt sich wirklich gut an, in so vielen verschiedenen Ländern Freunde zu wissen. Bleibt gesund! 😷😊

Heute kam das Ergebnis, dass Connys Coronatest negativ ist. Das freut uns zwangsläufig doppelt und muss natürlich gebührend gefeiert werden – solange es das ‚Corona‘ noch gibt.
‚Corona‘ ist übrigens echt lecker! 🤪
Humor hilft… 😉 😄



2. April 2020

Gestern haben wir unser Auto zu Rahul gebracht. Er besitzt in Nord-Mumbai eine große ‚Wedding-Area‘, also ein Hochzeitsareal, wo wohlhabende Inder ihre rauschenden Vermählungsfeste ausrichten können. Dort konnten wir auf dem abgeschlossen Gelände unser Gespann abstellen – ohne zeitliche Begrenzung…

Conny fuhr die gut 40 Kilometer bis dorthin im staatlich legitimierten Taxi hinterdrein, das uns anschließend zu unserem ‚Registrierungshotel’ brachte.

In dem Luxushotel mussten wir uns ein weiteres Mal für den Flug im Rahmen des deutschen Rückholprogramms registrieren und verbrachten dort auch die Nacht.

In mehreren Bussen wurden wir heute Vormittag zum Flughafen chauffiert, wo nach gestern Nachmittag und heute Morgen ein drittes Mal unsere Körpertemperatur mittels Lasers auf der Stirn gemessen wurde. Aufgrund des meines Erachtens doch recht straffen Limits von 37,3 Grad entschloss ich (Gerhard) mich gestern Morgen nach dem Duschen mal vorsorglich Fieber zu messen und erhielt zweimal hintereinander den exakt gleichen Wert: 37,9 Grad. Innerlich stellte ich mich schon auf einen weiteren längeren Aufenthalt in Indien ein. Doch dann ging alles glatt: gestern 36,8 und heute sogar nur 35,8 Grad. Ob es vielleicht doch was gebracht hat, dass ich mir kurz vor der Messung heute eine kühle Wasserflasche an die Sirn gehalten habe 😇😉?! Bei Conny war auch alles im grünen Bereich…

Das Hotel und der Flughafen sind ‚Geistergebäude‘ – alles leer und geschlossen und nur von den Passagieren des ‚Rettungsfluges‘ bevölkert…


Jetzt geht’s los…

Vielen Dank für die vielen guten Wünsche zu unserem Heimflug, die uns auf den verschiedensten Wegen erreicht haben! 🙏😊

Kleine Anekdote zum heutigen Abschluss: Neben uns sitzt ein Herr, dessen Bekanntschaft wir gestern bereits in der Warteschlange zur Registrierung gemacht haben. Eine wirklich nette Begegnung, für die man wohl ein bisschen herumreisen muss: Sebastian, ein schwäbischer Sikh im Geiste – ehemals studierter Biologe und Bankangestellter. Er hat die Veröffentlichung seiner Fotos ausdrücklich legitimiert… 🤓

Nachtrag: Inzwischen sind wir in Frankfurt a. M. gelandet und warten darauf, aussteigen zu dürfen. Nach angeblich deutschen Vorgaben dürfen immer zwanzig Passagiere gleichzeitig aussteigen, dann muss wieder fünf Minuten gewartet werden. Und das, nachdem wir beim Einsteigen sowieso alle übereinander drüber gepurzelt sind. Und in der Warteschlange zur Passkontrolle wurde man mit strengen Aufrufen zur Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands angehalten, um ein paar Minuten später am Gepäckausgabeband wieder in Trauben zusammen zu kleben. Aber wenn man die hübschen Uniformen unserer Flugbegleiter sieht, wundert man sich über nichts mehr…



31. März 2020

Es ist soweit: Unser Heimflug wurde uns heute vom Generalkonsulat Mumbai bekannt gegeben. Wir fliegen übermorgen, am Donnerstag, 2. April, nachmittags von Mumbai nach Frankfurt.

E-Mail des Deutschen Generalkonsulats Mumbai

Aufregend ist für uns aber noch folgender Abschnitt der E-Mail des Konsulats:

An Ihren derzeitigen Aufenthaltsorten werden die Behörden vor Ihrer Abreise wahrschein­lich einenHealth Check durchführen. Bitte weigern Sie sich nicht. Auch vor Betreten des Sammelpunkts und am Flughafen wird Ihre Temperatur gemessen. Falls Sie erhöhte Temperatur haben (über 37,3 Grad), können Sie nichtaufgenommen werden. Sie müssten sich dann in häusliche Quarantäne („home quarantine“) begeben. Der Verbleib im Sammelpunkt ist unter Quarantänebedingungen nicht möglich. Personen, die erhöhte Temperatur und/oder weitere Symptome aufweisen, werden unter staatliche Quarantäne gestellt.
In diesen Fällen wird es Ihnen nicht möglich sein, an den o.g. Flügen teilzunehmen! Daher: Falls Sie erhöhte Temperatur oder weitere Symptome haben, kommen Sie bitte keinesfalls zum Sammelpunkt!Bleiben Sie an Ihrem Aufenthaltsort und warten Sie ab, bis Sie symptomfrei sind.
Bitte denken Sie jetzt schon daran,  genügend Bargeld und ausreichend Verpflegung mit sich zu führen.

Uns geht es eigentlich gut – wir haben nicht mal ansatzweise eine Erkältung, – aber wir müssen heute Abend wohl noch unbedingt Fieber messen… 😳

In den vergangenen Tagen wurden wir hier an ‚unserer‘ Tankstelle geradezu rührend versorgt mit praktisch allem, was wir benötigten. Die Menschen um uns herum sind derart herzlich und hilfsbereit, dass es uns nun gleich doppelt schwerfällt, unsere Weltreise unterbrechen zu müssen. Aber da sind wir bei weitem nicht allein…

Für unser Auto und den Anhänger haben wir einen sicheren Platz gefunden, wo wir es einstweilen stehen lassen können – entweder bis zur Verschiffung oder bis wir unsere Reise von hier aus wieder fortsetzen können.

Wir können uns trotz allem glücklich schätzen, dass wir dank der Initiative des Auswärtigen Amtes – und somit des deutschen Staates – in unsere Heimat zurückfliegen können und so unsere Sicherheit und zumindest gesundheitliche Versorgung gewährleistet wissen. Den Menschen hier in Indien kann man nur wünschen, dass sie einen Weg finden, sich zu retten – nicht in erster Linie vor dem Virus, sondern vielmehr vor dem gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Chaos für die vielen, vielen bitterarmen Menschen, die jetzt meist nicht einmal mehr als Tagelöhner ein paar Rupien verdienen können. Sie müssen die Metropolen verlassen, denn sie haben oft nur auf dem Land in ihren Heimatdörfern eine Überlebenschance. Doch sämtliche öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht…

Im folgenden haben wir noch einige weitere Artikel dazu zusammengestellt:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/coronavirus-indien-ausgangssperre-wanderarbeiter-virusbekaempfung-infektionsgefahr

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-indien-ausgangssperre-102.html

https://www.tagesschau.de/ausland/indien-corona-infizierte-101.html

https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-indien-wanderarbeiter-1.4862361

Wir freuen uns darauf, euch möglichst alle bald und gesund wiederzusehen – und ganz viel direkten Kontakt mit euch zu haben.

Aber selbstverständlich beachten wir zunächst die Kontaktsperre… 😷😇


26. März 2020

So, liebe Freunde der gepflegten Katastrophenberichterstattung: Es gibt Neuigkeiten.
Als wir am 24. März vor unserer Abfahrt an dem kleinen Restaurant, neben dem wir die Nacht verbrachten, noch unsere Wassertanks auffüllten, gesellte sich neben einigen anderen neugierigen Einheimischen ein Mann dazu, der uns auf englisch ansprach und wissen wollte, was wir da machen, so überhaupt in Indien. Kurz darauf lud er, Johnson, uns spontan ein, zu sich nach Hause zu kommen, das 600 Kilometer entfernt auf unserer Strecke nach Mumbai liegt. Er sei Christ – daher der englisch klingende Name -, von Haus aus KFZ-Ingenieur und habe lange in Dubai gearbeitet. Er hätte einen sicheren Platz für uns zum Übernachten. Wir sagten zu, am übernächsten Abend zu ihm zu kommen, sofern wir es soweit schaffen sollten.

Die Nacht vom 24. zum 25. März war die ruhigste, die wir seit langem erlebt hatten. Es waren jetzt noch etwa 120 Kilometer bis zur Staatsgrenze von Maharashtra. Der Highway war fast wie ausgestorben, daher war das Fahren sehr angenehm. Ruhe und wenig Verkehr auf der Staße – das waren die für uns positiven Auswirkungen der landesweiten Ausgangssperre in Indien.

Bald erreichten wir einen Polizeiposten, der uns erwartungsgemäß stoppte. Doch auch hier half nach einiger Diskussion letztlich unser Passierschein von der Deutschen Botschaft (siehe unten). Schließlich erhoben sich die Grenzanlagen von Maharashtra vor uns. Es sind Durchfahrtsschleußen, ähnlich der österreichischen Tauern- oder Brenner-Mautstationen. Alle Gassen waren blockiert und auf der Busspur hatten die Polizisten ein ‚Kaffeekränzchen‘ aufgebaut. Als wir uns dieser näherten, winkten sie schon von Weitem, dass hier kein Weiterkommen sei. Nachdem wir uns davon unbeeindruckt zeigten, kamen einige der Uniformierten zu uns. Die Grenze sei geschlossen. Keiner dürfe durch. Wir sagten wieder mal unser Sprüchlein von ‚Genehmigung durch die Deutsche Botschaft in Kooperation mit der indischen Regierung‘ auf und hielten ihnen das iPad mit dem Schreiben unter ihre maskenverhüllten Nasen. Das Problem war nun allerdings, dass der wortführende Polizist offensichtlich nicht gut genug englisch sprach, um den Inhalt des Botschaftsschreibens in seiner gesamten Bedeutung zu erfassen. Auch sonst zeigte sich dazu keiner in der Lage. Wir sollten warten. Wir hatten fast 40 Grad Celsius im Schatten!
Mittlerweile ärgerte sich ‚unser’ Polizist augenscheinlich mit einem Mann herum, der auch Durchlass begehrte, aber ihm nicht gewährt wurde. Um uns kümmerte sich erstmal keiner mehr. Als der Polizist sich endlich wieder uns zuwandte, meinte er, ein Kollege würde uns auf einem Moped zum 80 Kilometer entfernten „Government-Hospital“, also einer Art Staatskrankenhaus, eskortieren, wo wir uns einem Gesundheitscheck unterziehen sollten. Nach einigen Widerworten unsererseits war klar, es machte keinen Sinn, sich zu widersetzen, denn er meinte, sonst blieben wir eben hier. Also stimmten wir zu. Er entfernte sich nochmals von unserem Auto und sprach mit Anderen. Plötzlich erschienen zwei junge Inder und sprachen uns auf exzellentem Englisch an. Sie seien Klinikärzte, auch auf dem Weg über die Grenze. Wir erklärten ihnen unsere Situation und zeigten ihnen den Passierschein. Daraufhin gingen sie mit unserem Tablet nochmal zu dem betreffenden Polizisten und erklärten ihm den Inhalt des Schreibens auf Hindi. Ich stieg auch aus und kam dazu, um der Situation Nachdruck zu verleihen. Nochmal bekräftigte ich, dass es sich um eine Kooperation mit der indischen Regierung handeln würde und er möglicherweise Schwierigkeiten bekommen könnte, sollte er gegen diese Vorgabe handeln. Bereits während unseres ersten Gesprächs am Autofenster hatte ich die Deutsche Botschaft angerufen, um ihm die Angelegenheit zu verdeutlichen. Jedoch war leider die Verbindung so schlecht, dass das Gespräch unterbrochen wurde. Aber Anrufe bei Botschaften – so bereits unsere früheren Erfahrungen – machen durchaus Eindruck. Und so meinte er plötzlich, wir dürften fahren – ohne Moped-Eskorte und ohne Gesundheitscheck. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und brausten durch die Parallelgasse – hier ohne ‚Kaffeekränzchen‘ – los. Beim Durchfahren entschuldigte sich der Polizist noch für unsere Unannehmlichkeiten und meinte, es sei eben seine Pflicht, zu kontrollieren. Die Erfahrung haben wir später noch öfter gemacht, dass sich die Polizisten – zum Teil rührend – bei uns entschuldigten…

Wir hatten es über die Grenze nach Maharashtra geschafft, der Staat, in dem Mumbai liegt. Jetzt sollten die wesentlichen Hürden doch hinter uns liegen?! Weit gefehlt! Die nächste Kontrollstelle ließ nicht sehr lange auf sich warten. Wieder sollten wir aussteigen, offensichtlich zu einer Temperaturmessung. Doch hier wirkte der bereits inzwischen gut eingeübte Nachdruck in ‚Wort und Bild‘, sodass wir schnell weiter gelassen wurden.

Irgendwo passierten wir eine kleine Stadt. An der Straßenseite fanden wir einen ‚ATM‘, also einen Geldautomaten. Conny wollte ein paar Rupien ziehen. Kaum stand sie am Automaten, waren auch schon wieder Polizisten ums Auto und deuteten mir, ich solle weiterfahren. Ich wiederum wies auf Conny. Die Polizisten riefen Conny zu, sie solle gehen, klopften mit ihren Stöcken auf den Boden und machten mehrere Fotos von unserem Auto. Dieses Spiel wiederholte sich mehrmals, bis Conny wieder zum Auto zurück kam.

Conny am Geldautomaten

Als wir Nashik erreichten, die Stadt, in der Johnson sein Haus hat, wollte uns das ‚Navi‘ direkt in die Stadt hinein lotsen. Doch die war ringsum hermetisch abgeriegelt. Kein Durchkommen. Wir fuhren auf dem Highway um die Stadt herum und standen schließlich wieder vor einer Absperrung. Die dabeistehenden Polizisten kamen sofort auf uns zu und fragten, wo wir hin wollten. Wieder unsere Geschichte, und wir sollten Johnson anrufen. Dies taten wir, und nach längerem Hin und Her – wir stünden für den Weg nach Mumbai in der entgegengesetzten Richtung, aber wir hätten die Stadt halb umrundet, deswegen die andere Richtung und so fort – erklärten die Polizisten sich bereit, uns wieder in die richtige Richtung zu eskortieren.

Blöderweise hatten sie Johnson so verstanden, dass wir direkt weiter nach Mumbai fahren wollten. Als wir schließlich wieder am Highway angekommen waren konnten wir den Polizisten klar machen, dass wir zu Johnson wollten. Nach einem weiteren Telefonat mit ihm wollte er kommen, um uns von dort abzuholen, denn inzwischen war allen klar geworden, dass wir den Weg zu ihm selbstständig nicht finden würden, zumal der nur durch die verbotene Zone ging. Ein Polizist fuhr weg, der andere wartete bei uns, bis Johnson kam, setzte sich nach einer weiteren Unterhaltung zu ihm ins Auto – und so fuhren wir durch die Polizeisperre.

Wir verbrachten einen gemütlichen Abend bei Johnson und seiner Familie und hatten eine ruhige Nacht. Am nächsten Morgen verschwand ich kurz in unserem rollenden Badezimmer. Als ich wieder herauskam war das Auto umzingelt von Leuten und einer Horde Polizisten. Johnson war auch dabei. Ich solle unverzüglich ins Auto steigen, die Tür schließen und warten, bis der Polizeichef da ist. Wir sollten unseren medizinischen Test zeigen, den wir jedoch nicht hatten, präsentierten wieder mal den Passierschein – und schließlich rief ich auch wieder mal die Deutsche Botschaft in Neu-Delhi an. Die Dame am Telefon sprach englisch, deutsch und Hindi. So überreichte ich dem obersten Polizisten, der inzwischen gekommen war, das Telefon. Nach dem Gespräch meinte er, der Passierschein sei allgemein gehalten und sage nichts über unser genehmigtes Ziel aus. Ob wir eine E-Mail hätten, die bestätigt, dass wir nach Mumbai kommen sollten, wollte er wissen. Die hatten wir jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber die E-Mail, mit der uns der Passierschein geschickt wurde, kam vom Deutschen Generalkonsulat in Mumbai. Diese leitete ich an einen Polizisten weiter und kündigte an, das Konsulat anzurufen. Dies wollten die Polizisten jedoch keinesfalls. Conny wurde im Auto sitzend separat darüber befragt, seit wann wir in Indien seien und ob noch weitere Personen im Anhänger wären. Inzwischen hatte uns Johnson zwei nagelneue Masken überreicht. Ich solle sie aufsetzen, um wieder aus dem Auto zu steigen. Dies tat ich, stieg aus und verkündete mit deutlichem Nachdruck, dass wir jetzt weiterfahren würden und dazu die entsprechende Genehmigung hätten. Länger warten würden wir nun auf keinen Fall. Ich drohte nochmal mit einem Anruf beim Konsulat – und langsam änderte sich der Tonfall des Polizeichefs. Ich äußerte noch, dass ich es nicht richtig finde, dass Ausländer in Indien wegen der Pandemie derart diskriminiert werden, dem er jedoch widersprach. Die Geschichte von Luke, dem Engländer, der mit dem Motorrad in Indien unterwegs ist, der willkürlich, ohne Symptome und Test, zu einer zweiwöchigen Quarantäne in ein Hotelzimmer eingeschlossen ist und dessen Zimmerfenster mit Bettlaken abgehängt wurden, weil Nachbarn sich über den Anblick eines Ausländers am Hotelfenster beschwert hatten, konnte der Polizeichef nicht glauben. Wir wissen das aber aus erster Hand!

Schließlich sagte er, wir könnten jetzt losfahren und fragte noch, ob wir den Weg aus der Stadt alleine finden würden oder lieber eine Eskorte hätten. Natürlich nahmen wir den Begleitschutz an, der sich an der Auffahrt zum Highway schließlich verabschiedete.

Auch hier möchten wir erwähnen, dass sowohl der Polizist vom Vorabend, der mit Johnson im Auto fuhr, nicht nur beim Aussteigen, sondern sogar heute nochmal telefonisch und per SMS sich bei uns ganz herzlich für unsere Schwierigkeiten entschuldigt als auch heute der Polizeichef bei unserer Abfahrt uns sein Bedauern ausgesprochen hat.

Original-SMS des Polizisten vom Vorabend

Nachtrag: Inzwischen haben wir von Johnson erfahren, dass er sich nach unserer Abfahrt einem Gesundheitscheck unterziehen musste und zu einer zweiwöchigen Quarantäne verdonnert wurde. Dies nur, weil er am Morgen mit uns vor seinem Haus auf der Straße stand. Das hat er nun von seiner Hilfsbereitschaft…

Einige Zeit später erfuhren wir von Johnson, dass unser Besuch bei ihm schließlich auch noch mediale Wellen schlug – wir kamen im Fernsehen in den Nachrichten:

Reporter vor unserem Auto
One. World. Wing. in den ‚Nashik City News‘

Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Mumbai passierten wir irgendwann einen Polizeiposten, bei dem auf dem Mittelstreifen des Highways etliche Uniformierte und andere Männer standen. Beim Vorbeifahren konnten wir beobachten, wie die Polizisten auf die Männer in Zivil mit Stöcken brutal einprügelten. Geschockt von diesem Bild fuhren wir schleunigst durch die Lücke in der Barrikade – und wurden glücklicherweise nicht aufgehalten. Das war bisher das häßlichste Bild unserer Reise durch Indien.

Bei zwei weiteren ‚Checkposts‘ wurden wir durchgewunken – einmal, nachdem wir nur ganz kurz den Passierschein vorgezeigt hatten. Wir hatten den Eindruck, dass die Streckenposten über unser Erscheinen informiert worden waren. Bei der Einfahrt nach Mumbai gab es schließlich nochmal eine längere Diskussion, da die Polizisten wissen wollten, wo wir genau hin wollten. Wir hatten über verschiedene Kontakte von einem Tankstellenbetreiber in Mumbai erfahren, der seinen Platz regelmäßig für ‚Overlander‘ zu Verfügung stellt. Ihn sollten wir nun anrufen, damit sich die Polizisten davon überzeugen konnten, dass wir ein konkretes Domizil haben. Nachdem das geklärt war ließen sie uns fahren.

Polizeikontrolle in Mumbai

Jetzt waren es noch zehn Kilometer, die wir ohne weiteren Zwischenfall hinter uns brachten.
Wir sind tatsächlich in Mumbai an dem anvisierten Platz angekommen. Es ist hier bislang ruhig – aufgrund der allgemeinen Ausgangssperre – und auch die Polizei hat uns noch nicht belästigt.

Inzwischen haben wir vom Deutschen Generalkonsulat in Mumbai die Bestätigung erhalten, dass wir für einen Rückflug nach Deutschland ab Mumbai vorgesehen sind. Wann dieser stattfinden wird ist jedoch noch offen.

Unser derzeitiges Hauptproblem ist, dass es hier einen vollständigen ‚Lockdown’ gibt. Das heißt, alles, auch Lebensmittelgeschäfte, sind – unseres Wissens nach – geschlossen. Die einzige Möglichkeit für uns, an Essen zu kommen, sind die Auslieferdienste wie der Pizzaservice, den wir heute nach unserer Ankunft beordert haben. Der junge Pizzalieferant kam mit dem Moped, wies mich an, auf Abstand zu bleiben, drapierte unsere bestellten Sachen fein säuberlich auf dem Sitz seines Mopeds und dann durfte ich die Sachen abholen, während er zur Seite trat.
Der für die Verschiffung unseres Gespanns zuständige Mann hat uns geschrieben, dass aufgrund des ‚Lockdowns‘ eine Bearbeitung sämtlicher Verschiffungen voraussichtlich erst wieder ab dem 14. April stattfinden wird. Was wir mit unserem mobilen Heim machen, falls der Heimflug früher starten wird, wissen wir noch nicht. Möglicherweise können wir das dann delegieren. Anderenfalls sitzen wir jetzt die nächsten drei Wochen auf dieser Tankstelle herum.

Aber Daniel, der Tankstellenbesitzer – in der ‚Overlander‘-Szene übrigens eine richtige Berühmtheit – ist ein super Typ. Er versorgt uns mit Grundnahrungsmitteln wie Trinkwasser und Brot – will auch noch Käse, Milch und Marmelade besorgen – und hat uns Strom und WLAN zur Verfügung gestellt. Es wurde Tee kredenzt – und wir durften sogar unsere Markise ausfahren und die Campingstühle aufstellen, damit wir bei 36 Grad im Schatten nicht immer nur im Auto sitzen müssen. Bewegen dürfen wir uns ja nicht…

Daniel (rechts im Bild) und die ‚gute Seele‘, die uns hier gerade Milch und Butter bringt

24. März 2020

https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-indien-verhaengt-vollstaendige-ausgangssperre-fuer-drei-wochen-a-4d0256f2-4b15-40d3-9447-6b0cb098abbe?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph

Die vergangenen vier Tage und Nächte verliefen weitgehend reibungslos. Wir waren nur ziemlich angespannt, weil wir viele Berichte von anderen Reisenden und auch Einheimischen erhalten hatten, die ziemlich entmutigend und furchteinflößend waren. So hieß es, dass die Staatsgrenzen innerhalb Indiens geschlossen werden und so bis auf weiteres ein Durchkommen nach Mumbai nicht möglich sei. Außerdem wurden andere ‚Overlander‘ zum Teil willkürlich für zwei Wochen in Quarantäne gesteckt, obwohl sie weder Symptome hatten noch getestet wurden. Die große Frage für uns war nun, ob wir versuchen sollten, trotzdem so schnell wie möglich nach Mumbai zu fahren – mit dem Risiko, am nächsten Polizei-Kontrollpunkt oder an der Staatsgrenze zu Maharashtra festgesetzt zu werden und im schlimmsten Fall auch in Quarantäne zu kommen. Oder sollten wir an einem sicheren Ort unterwegs – eben da, wo wir waren – bleiben und abwarten, bis sich die Situation wieder entspannen würde? Aber wo, nachdem Ausländer in Indien vielfach angefeindet werden? Und wie lange? Eine Lockerung ist derzeit nicht in Sicht, ganz im Gegenteil! Wir müssen aber sagen, dass wir in den letzten Tagen in den ‚Restaurants’ am Highway (meist bessere Wellblechhütten) von den Einheimischen zwar mit einer anfänglich ängstlichen Skepsis empfangen wurden, sie aber dann durchweg gastfreundlich und hilfsbereit waren. Überhaupt waren die meisten Inder, denen wir bisher begegnet sind, durchweg freundlich, aber die indische Mentalität ist für uns einfach oft zu undurchschaubar und damit auch zu unberechenbar, als dass wir uns in diesem Land gut aufgehoben fühlen könnten. Dies ist aber ausschließlich unsere ganz persönliche Gefühlslage…

Die ganze Situation lässt uns – wie so ziemlich allen ‚Overlandern‘ in Indien – nur eine Option: Wir müssen das Land verlassen. Nachdem aber praktisch alle Landwege durch die Grenzschließungen verwehrt sind und auch ein Verschiffen nach Malaysia oder sonstwohin nicht möglich ist heißt das, wir brechen unsere Weltreise vorerst ab und kehren nach Hause zurück, sofern wir Mumbai erreichen und eine Verschiffung unseres Gespanns organisieren können. Es gibt jedoch einen landesweiten ‚Lockdown‘, das heißt, alles ist geschlossen. Und ab heute Mitternacht soll es auch keine Bewegungsfreiheit auf den Straßen mehr geben.

Eine Hoffnung, trotz allem nach Mumbai zu gelangen, ist ein Passierschein für deutsche Touristen, der uns heute von der Deutschen Botschaft in Neu-Delhi zugesandt wurde. Es handelt sich zwar nur um ein Bittschreiben an alle betroffenen offiziellen Autoritäten wie Polizei und andere, uns deutschen Reisenden ‚freies Geleit‘ zu gewähren, da wir sonst nicht zu den betreffenden Flughäfen gelangen können, von denen aus die Flieger der Rückholaktion starten. Eine verbindliche Weisung kann der deutsche Botschafter den indischen Behörden ja nicht erteilen. Aber der ‚Passierschein‘ hat immerhin den Briefkopf des Botschafters und den offiziellen Stempel. Auf der heutigen Fahrt hat er schon mal gewirkt: Wir wurden an einer Kontrollstelle am Highway gestoppt und sollten aussteigen. Da haben wir den Brief gezeigt und durften sofort weiter fahren. Dieser Vorfall gibt uns Hoffnung. Und so werden wir unsere Fahrt nach Mumbai morgen fortsetzen und, wenn alles gut geht, übermorgen dort ankommen. Es sind jetzt noch 550 Kilometer…

‘Passierschein’ der Deutschen Botschaft

Wir haben uns gestern für das deutsche Rückholprogrann registriert und können so hoffentlich heim fliegen. Alle kommerziellen Flüge sind in Indien derzeit ausgesetzt. Ob wir allerdings vorher noch unser Gespann verschifft bekommen, wird sich zeigen. Falls nicht, werden wir das in Auftrag geben müssen.

Aber heute sind wir wieder zuversichtlicher als in den letzten Tagen und haben für heute Nacht einen wunderbar ruhigen Platz gefunden…

Vielen Dank bisher für die zahlreichen aufmunternden Mails und Einträge in unserem Gästebuch. Wir wissen es zu schätzen, dass Ihr an uns denkt!

20. März 2020

Vorweg: Es geht uns immer noch soweit gut, auch wenn die Situation hier an unseren Nerven zerrt.
Gestern haben wir auf dem Platz einer Tankstelle übernachtet, in der Nähe eines Vorortes von Patna. Es sei kein Problem, so der zuständige junge Mann. Einige Zeit später tat es mehrere heftige Schläge gegen das Auto, sodass wir schon dachten, das Seitenfenster fliegt raus. Draußen stand eine Gruppe Männer und mehrere Polizisten. Sie seien besorgte Bürger. Das Virus käme zwar ursprünglich aus China, nun aber eben aus Italien und Deutschland. Nachdem wir klarstellen konnten, dass wir seit zwei Monaten im Land und sicher nicht infiziert sind, gestattete man uns – nach einigen Telefonaten der Polizei – für diese eine Nacht dazubleiben.
Dieser Vorfall sowie zahlreiche ähnliche Berichte der ‚Overlander‘, mit denen wir im Kontakt stehen, die sich auch im östlichen Raum des Landes aufhalten, wie beispielsweise Kalkutta, – und nicht zuletzt die derzeitige Aussichtslosigkeit, nach Nepal oder Myanmar zu kommen – haben uns heute zu einer Planänderung veranlasst. Hinsichtlich der Gefahr, immer häufiger als Ausländer gemobbt und beschuldigt zu werden, für das Virus im Land verantwortlich zu sein, und aufgrund ständiger Warn-E-Mails des Auswärtigen Amtes über die Deutsche Botschaft in Neu-Delhi, haben wir uns entschlossen, nach Mumbai zu fahren. Wir denken, dass in dieser Stadt die Optionen für uns am günstigsten sind. Es ist eine große Stadt im Westen, die relativ zivilisiert sein dürfte (im Vergleich zu den ländlichen Gebieten im Osten Indiens) und es gibt dort einen Platz eines indischen Globetrotters, der diesen als Stellplatz für ‚Overlander‘ anbietet. Außerdem haben wir kürzlich den CEO (also obersten Boss) von ‚Red Bull India’ und seine Frau kennengelernt und Nummern ausgetauscht. Sie leben in Mumbai und haben uns für den Fall der Fälle ihre Hilfe angeboten. Und schließlich kann man von Mumbai aus sowohl nach Deutschland verschiffen als auch fliegen. Allerdings wurden sämtliche kommerziellen Flüge nach und von Indien ab dem 23. März für mindestens eine Woche – wahrscheinlich länger – ausgesetzt. Entweder wir können die Situation dort aussitzen – oder wir müssen unsere Weltreise notgedrungen unterbrechen, das Auto verschiffen und selbst nach Hause fliegen, wenn es denn wieder gehen sollte.
Für die heutige Nacht haben wir einen Platz neben einem einfachen Restaurant direkt am Highway gefunden. Wir haben den Besitzer bei unserer Anfrage direkt mit dem Thema Ausländer und Virus konfrontiert. Er bat uns, möglichst oft die Hände zu waschen, hatte aber im Übrigen kein Problem mit uns. Da gerade auch die Polizei beim Essen saß, war das dann auch erledigt. Wir hoffen nun auf eine ungestörte und ruhige Nacht – soweit das direkt neben dem vierspurigen Highway möglich ist.

Jedenfalls haben wir heute die 1.800 Kilometer bis Mumbai in Angriff genommen. Wenn alles gut geht sind wir in etwa einer Woche dort…

Hier die beiden letzten Mails der Deutschen Botschaft in Neu-Delhi:

16:01 Uhr:
Liebe deutsche Reisende in Indien!

Nachdem ab Sonntag für mindestens eine Woche keine Flüge mehr aus Indien nach Europa abfliegen werden, haben wir die Vorbereitungen für die RÜCKHOLAKTION auch von in Indien gestrandeten Touristen begonnen, die zurück nach Deutschland fliegen wollen.

Bitte registrieren Sie sich umgehend für einen derartigen Rücktransport unter www.rueckholprogramm.de, sofern Sie daran teilnehmen möchten. 

Das Rückholprogramm wendet sich ausschließlich an Reisende, d. h. Touristen, deutscher Staatsangehörigkeit und ihre Ehepartner und minderjährigen Kinder, nicht jedoch an in Indien wohnhafte Deutsche.

Bitte bleiben Sie jedoch bis auf weitere Aufforderung dort, wo Sie sind, verlängern Sie Ihr Visum und haben Sie Geduld! Wir halten Sie täglich über unsere website www.india.diplo.de , Twitter und Facebook auf dem Laufenden.

Mit freundlichen Grüßen
Deutsche Botschaft New Delhi

12:09 Uhr:
Liebe Landsleute,

bitte beachten Sie folgende wichtige Informationen zur COVID-19-Krise:

– Ab Montag,23. März, werden alle kommerziellen Flugverbindungen  von und nach Indien – zunächst für eine Woche – eingestellt. Eine Ausdehnung dieser Frist ist durchaus wahrscheinlich. Ein- und Ausreise sind somit in diesem Zeitraum nicht mehr möglich. Bitte buchen Sie keinesfalls Flüge für diesen Zeitraum, selbst wenn Ihnen diese online noch als verfügbar angezeigt werden!

– Eine Visa-Verlängerung für Deutsche, die sich bereits in Indien aufhalten, ist über das örtlich zuständige FRRO zu beantragen. Bitte  beantragen Sie die Verlängerung online und sehen Sie von persönlichen Vorsprachen bei den FRROs ab. 

– Stellen Sie sich darauf ein, Ihren Aufenthalt in Indien zu verlängern. Stellen Sie Unterkunft und Versorgung sicher. Reisen Sie zunächst nur dann in die Großstädte weiter (New Delhi, Mumbai, Bangalore etc.), wenn Sie gesicherte Unterkunft und ein Flugticket haben oder dazu über die Internetpräsenz der deutschen Auslandsvertretungen aufgefordert werden

– Für Sonntag, den 22.3., hat Premierminister Modi landesweit zu einer freiwilligen Ausgangssperre von 7 Uhr morgens – 21 Uhr aufgerufen. Die deutschen Vertretungen in Indien raten, die Ausgangssperre einzuhalten. Weitere – regionalspezifische – Einschränkungen der Bewegungsfreiheit können zusätzlich verhängt werden. Bitte halten Sie sich informiert.

Das Auswärtige Amt bemüht sich mit Hochdruck darum, Reisende aus besonders betroffenen Ländern im Rahmen einer Rückholaktion zurückzuholen. An erster Stelle wird eine Reihe besonders betroffener Länder stehen, zunächst insbesondere Marokko, die Dominikanische Republik, Ägypten und die Philippinen. Weitere Rückholaktionen werden folgen. Wir bitten um Verständnis, dass hierbei schrittweise vorgegangen werden muss. Einzelheiten dazu werden von den Auslandsvertretungen in Indien vor Ort baldmöglichst bekanntgegeben. Bitte prüfen Sie täglich unseren Internetauftritt über www.india.diplo.de

Mit freundlichen Grüßen
Deutsche Botschaft New Delhi

18. März 2020:

Wir reisen seit fast zwei Monaten in Indien herum. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es geht uns bislang gut, und wir setzen unsere Reise momentan noch wie geplant fort. Wie lange das noch so geht wissen wir allerdings nicht. In zwei, drei Tagen werden wir voraussichtlich an der nepalesischen Grenze stehen und Einlass begehren. Nach allem, was wir derzeit wissen, wird uns die Einreise aber wohl verwehrt werden. Wir schauen mal – wie es dann für uns weitergehen könnte.
Wir haben Kontakt zu zahlreichen anderen ‚Overlandern‘, die auch gerade in Indien unterwegs sind. Einige von ihnen planen, ihr Fahrzeug nach Hause zu verschiffen oder das Auto stehen zu lassen und heim zu fliegen, um in ein paar Monaten wieder zurück zu kommen. Sie befürchten, dass der Ausbruch der Epidemie in Indien erst noch so richtig kommt und die Situation – vor allem für uns als Ausländer – dann schwierig werden könnte. Andere wollen die Entwicklung an einem Strand oder sonstwo abwarten.
Wir hatten bislang nur eine unangenehme Situation deswegen. Vor ein paar Tagen wollten wir unser Nachtlager in Allahabad am Flussufer aufschlagen. Es war bereits dunkel. Kurz darauf waren wir umringt von schätzungsweise dreißig, wahrscheinlich sogar wesentlich mehr, Einheimischen. Bald darauf war auch die Polizei da und meinte, es sei nicht sicher für uns, denn dies sei eine Slum-Gegend, und die einfachen Menschen dort wären panisch wegen des Virus. Ausländer, insbesondere Deutsche, gelten als Hauptüberträger. Einige ‚Overlander‘ berichteten bereits von Anfeindungen.
Das haben wir nun noch nicht gehabt. Aber wir mussten diesen Ort verlassen und wurden von der Polizei quer durch die Stadt zu einer Polizeistation eskortiert, in deren Innenhof wir bleiben durften. Eine halbe Stunde später – es war ca. 22 Uhr – klopfte es aber nochmal an unserer Tür. Ein höherer Polizeichef wollte uns sprechen, wir mussten die Pässe abgeben und wurden über Nacht auf dem Polizeihof festgehalten, das heißt, wir durften im Auto schlafen, aber nicht mehr wegfahren. Und einen Gesundheitscheck sollte es geben. Es ist emotional ein Unterschied, ob man bleiben darf – oder muss… Nach längeren Gesprächen – auch mit Leuten einer Art CIA (so wurde es uns erklärt) – bekamen wir gegen halb zwei Uhr morgens unsere Pässe zurück. Und Tee… Von Gesundheitscheck war keine Rede mehr. Nachdem sich die im Grunde sehr freundlichen Polizisten mehrfach bei uns für unsere Unannehmlichkeiten entschuldigt hatten, gingen wir schlafen, obwohl wir das Gelände nun wieder verlassen hätten dürfen. Das haben wir am nächsten Morgen dann aber so schnell wie möglich getan…

Wie es für uns weitergeht wissen wir, wie gesagt, noch nicht. Bisher hatten wir keine Angst. Aber die Angst anderer kann einem Angst machen…

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close